Die Schweizer Alpen Zusatztour oder: Man hatte ich Angst!

Die berühmte Zusatztour sollte auf den Badus (Six Madun) hinauf gehen, der Hausberg der Gemeinde Tujetsch – auf knapp 3000 Meter. Von der Badushütte aus direkt vor Augen dachte ich: Wo bitte schön geht da ein Weg hoch?? Das kann unmöglich sein. Alex sprach kurz mit dem Hüttenwart, welcher meinte, das ist machbar, man müsste das letzte Stück „ein bisschen kraxeln“. Ok, das Lächeln dazu und die Aussage „ist schon lange her, dass ich da oben war“, machten mich ein wenig skeptisch. Mit der Aussage „das ist ein T3 oder T4“ konnte ich nichts anfangen, ich dachte nur: Hm, bei der Bundeswehr ist das ja nicht so gut 😉 Auch diesbezüglich bin ich heute schlauer, bei Interesse kann man hier nachlesen.

Zu meinem Glück konnte ich meinen Rucksack in der Hütte lassen, schnappte ich mir für diesen Trip meine neuen Wanderstöcke – hierzu folgt noch ein kurzer Bericht – und natürlich die Kamera. Zunächst ging es bergab, die Herren pirschten nach vorne, ich ließ mir Zeit. Zugegebenermaßen musste ich mich erst an die Stöcke gewöhnen, kam ich mir zunächst etwas eingeschränkt damit vor. Aber später sollte ich gottfroh darum sein!!

Auch hier erschloß sich mir der Weg nicht sofort, zum Großteil gab es auch keinen Weg. Es ging auf schmalen Pfaden, über Geröll und über Schnee! Hierbei waren die Stöcke extrem hilfreich! Meine Skepsis steigerte sich zunehmend, angeheizt durch Aussagen wie „wir wissen ja nicht, was unterm Schnee ist“…Ich erinnerte mich an meine Kollegin, welche scherzhaft meinte, ich solle mich bitte von Schluchten etc. fernhalten.

Ok, spätestens bei der Schneeüberquerung dachte ich: Die haben recht, der Alex ist wirklich verrückt!! V.a. echt schmerzfrei, zuversichtlich und: Angstfrei!! Das war ich hingegen ganz und gar nicht! Höhenangst habe ich nicht, im Gegenteil, ich finde die Höhe klasse, aber hier stieg mein Adrenalinpegel, damit auch die Angst, aber meine Stimmung dagegen sank und sank und wurde LEICHT gereizt. Ich hatte echt Schiß, um es mal so auszudrücken. Die Kräfte waren noch vorhanden, aber wir mussten den Weg ja auch wieder hinunter, was mir letztlich mehr Angst machte, als das Hinaufkraxeln. V.a. der Schnee…wäre hier jemand ausgerutscht…der eine oder andere Brocken wurde auch losgetreten…Alex ließ sich erweichen und rutschte mit uns auf dem Schnee hinunter. Kein Scherz, er meinte, wir sollen runterrutschen, was ER auch machte und einen riesen Spaß dabei hatte. Sein Lachen fand ich auch noch sympathisch und fast ansteckend, so sehr ich ihn in dem Moment auch verfluchte.  Ich versank ein paar Mal bis zu den Knien im Schnee, und das Gefühl, wenn der Schnee in die Schuhe flutscht…brrrrrrrrr! Ich war kurz vor einem hysterischen Anfall!!

Also ging es nach unten, tatsächlich schneller wie gedacht, mit einem Abstecher zum Tomasee. Der See liegt im Kanton Graubünden und liegt auf 2345 Metern. Er wird als Rheinquelle angesehen, gehört zum Einzugsgebietes des Vorderrheins. Der See hat eine Fläche von 45 ha, ist ca. 10m tief, 145m breit und 338m lang. Und sieht einfach nur wunderschön aus! Hier machten es sich der eine oder andere Wanderer bequem – wir auch 🙂

Ein Blick zurück lies mich erschaudern, fragte ich mich, wie um Himmels Willen wir blos da hochgekommen sind! Und wie wir auf diese wahnwitzige Idee gekommen sind…;-)

Nach einer Pause mit tief durchatmen, vespern und einfach nur auf den See schauen ging es dann wieder hoch zur Badushütte, das gleiche Stück wie am Morgen. Mit den ganzen Höhenmetern in den Beinen kam mir der Weg ein bisschen anstrengender und länger vor 😉 Insgesamt waren es an diesem Tag – ich zitiere Alex – „nur ca. 1000 Höhenmeter“…NUR…für mich eine Premiere! Klar war ich mächtig stolz und regelrecht tiefenentspannt. Da oben läuft die Zeit definitiv langsamer!!! Ganz sicher! Alex und Frank hatten immer noch nicht genug, wanderten die beiden mit flotter Sohle noch mal ca. 200 Höhenmeter nach oben – verfolgt von meinem Teleobjektiv natürlich 😉

Und noch etwas lief mir vor die Linse, bzw. machte Frank mich verzweifelt darauf aufmerksam, da ich es nicht auf Anhieb sehen konnte: Ein Murmeli!!!

Der Abend war noch sehr schön, spielten wir draußen in der Sonne Skip-Bo, und Frank holte sich einen mächtigen Sonnenbrand. Ich bis dahin noch nicht 😮 Wir wurden regelrecht verwöhnt auf der Badushütte, gab es zum Abendessen Suppe (Flädle-Suppe und/oder Gemüsecremesuppe), Spaghettis mit Bolognese- oder Tomatensoße und einen Nachtisch – hier 3 zur Auswahl. Und es schmeckte einfach nur köstlich!! Hinzu das leckere Quellwasser vom Brunnen, welches natürlich sehr kalt war – Duschen war also nicht drin..

Der Brunnen neben der Hütte

Ein wunderbarer Tag ging nach gefühlten 30 Stunden zu Ende, und mich erwartete eine der schlimmsten Nächte meines Lebens!! Dazu mehr im nächsten Bericht.

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