Wanderung auf den Piz Boé – den höchsten Berg der Sellagruppe

Sonntag früh fuhren wir nach Arabba. Dieses Örtchen entdeckten wir letztes Jahr, als wir von Moos/Sexten nach Tiers fuhren. Wir hatten Zeit und wollten ein bisschen die Dolomiten erkunden. So kamen wir hier vorbei und schnell stand fest: Hier müssen wir noch mal herkommen!! Wir wollten am Pordoi Joch anhalten, aber da war so viel los, dass wir keinen Parkplatz fanden und weiter fuhren. Uns war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass wir an einem Startpunkt zum höchsten Berg der Sellagruppe vorbei fuhren: Dem Piz Boé (3152m)!! So kam es mehr oder weniger zufällig dazu, dass der Piz Boé auf der Liste landete. Montag gab es eine kleine Einstiegstour, für Dienstag war der beste Tag der Woche vorhergesagt. Noch nicht ganz akklimatisiert (und frustriert, weil ich bei der ersten harmlosen Tour so ins Schnaufen kam) sollte es also direkt am zweiten Tag zum Piz Boé gehen.

Mit dem ersten Bus ging es zum Passo Pordoij. Ich hatte zugegebenermaßen Sorge, ob wir in den Bus kommen, da nach und nach mehr Wanderer zur Bushaltestelle kamen. Sie hatten sicher auch alle die Wettervorhersage beobachtet und sich diese Tour für heute vorgenommen. Da unsere Haltestelle die vorletzte war, rechnete ich mit dem Schlimmsten…so war es vor 2 Jahren im Grödnertal, da erlebte ich vom Sellajoch hinab die bisher schlimmste Busfahrt meines Lebens. Aber: Wir hatten Glück, juchu, der Bus war nicht voll, alle kamen rein. Die Serpentinen hoch musste ich mich konzentrieren, es sind doch einige Kurven hoch bis zum Pass. Die erste Bahn fuhr um 9 Uhr hoch, also stürmten alle aus dem Bus direkt zur Talstation – nur wir nicht 😉 unser Weg führte zum Wanderweg nach oben. Ich hatte richtig Angst, ob ich das schaffe, fühlte ich mich ja die beiden Tage zuvor nicht fit, aber heute hatte ich trotz Bammel richtig Lust. Schnell gewannen wir an Höhe, lugte gegenüber die Marmolada (oder DER??) hervor, der Gletscher, den man vom Piz Boé aus wohl sehr gut sehen kann. Daran erkannte ich gut, wie schnell es hoch ging.

Der Blick nach oben, ohje, recht bald kamen mir die bekannten Zweifel, ob ich das schaffe.

Die ersten überholten uns, aber ich versuchte, bei meinem (langsamen) Tempo zu bleiben. Bis zur Hütte hoch stand im Internet 1,5 – 2 Stunden, von dort noch mal 1,5-2 Stunde zum Gipfel. Ich rechnete also mit ca. 4 Stunden. Ein Stück fand ich besonders kräftezehrend, da dachte ich oft an das letzte Stück zur Zugspitze hoch (Sonnalpin), das ging zick-zack über Geröll…uns kamen einige entgegen, und ich sagte gleich zu Frank: Das wandere ich garantiert nicht zurück – und er stimmte mir endlich mal zu 🙂 Ein Wanderer sagte zu mir, recht weit oben schon, als ich mal wieder sehr schnaufte: „Der Schmerz vergeht, der Ruhm bleibt!“ Und was soll ich sagen, he made my day 😉 endlich oben angekommen ging es durch einen „Schneetunnel“, ich fühlte mich, als ob ich durch eine Ziellinie ging 🙂

An der Hütte machten einige Pause, es war noch nicht viel los. Es kamen jedoch einige von oben herab, sprich von der Seilbahn, auf dem Weg zum Gipfel. Also schnell in den Müsliriegel gebissen bzw. aufgefuttert und los ging es Richtung Piz Boé. Ich las, dass der Sella aussieht wie eine Mondlandschaft – und das ist so. Wahnsinn!! Wir mussten durch Schneefelder, Hilfe, aber der Schnee war noch fest, ging ohne Probleme.

Als ich das letzte Stück sah, dachte ich (mal wieder): Das schaffe ich nie im Leben!!!! Und: Wo ist da bloß der Weg?? Die Leute gingen zick-zack nach oben, von weitem kein Weg zu sehen. Wir wussten, dass wir z.T. klettern mussten, gesichert natürlich, und so war es auch. Schnauf….

Die Aussicht: Unfassbar schön!! Also Zähne zusammen gebissen, Weste aus und weiter ging es! Und dann, endlich, oben angekommen, yeeeeeees!! In 2 Stunden und 48 Minuten, tschakka!! Oben war schon was los, aber es verlief sich tatsächlich, und wie bekamen auch einen Platz an der Hütte für ein leckeres Essen: Für Frank gab es eine Gulaschsuppe, für mich leckere Spaghetti Bolognese, herrlich!! Da oben schmeckt es gleich doppelt gut. Es kamen immer mehr Leute hoch, irre, aber nun gut, so ist es halt. Ich machte meine Fotos, genoß die Aussicht, die Sonne…ich bin immer noch ganz..hm..gerührt? Berührt? Fasziniert und unglaublich ehrfürchtig und demütig angesichts dieser Berge.

Langsam ging es an den Abstieg, und mir graute es vor dem „Gegenverkehr“. Aber es war ok, gefühlt waren die meisten oben angekommen, und eher schon auf dem Rückweg. Einen Klettersteig umgingen wir, was auch Sinn macht, stand extra ein Schild da „down“, da spart man sich das Warten am Steigstück. Unterwegs trafen wir eine Gruppe junger Leute (zu denen gehöre ich ja nun nicht mehr ganz), und die Mädels fragten, ob man den Ferrata umgehen kann – nein! Wir motivierten sie, dass er gut machbar ist, wünschten viel Erfolg und gingen happy weiter (ich zumindest).

An der Hütte wieder angekommen – wahnsinnig viel los. Entsprechend lange mussten wir auf die Getränke warten, aber egal, wir hatten keinen Zeitdruck. Ich fand es nur witzig, dass so gut wie alle, die von der Bergstation herab kamen, sich gleich auf den „Schneetunnel“ stürzten, um ein Foto von sich zu machen…pah, das gebührt nur denen, die von unten hochgewandert sind 😉 😉 Zusammen mit vielen anderen ging es dann das Stück nach oben zur Bergbahn, veranschlagt mit 15min, gefühlt waren wir schneller. Manche Menschen machen echt Stress hinter einem, grrrrrrr. Oben verlief es sich dann wieder, mit traumhafter Aussicht auf die Langkofelgruppe, wow!!! Wir blieben hier noch ein bisschen, ich machte Fotos, staunte wieder einmal über die Berge und v.a. über die verrückten Basejumper, die sich in die Tiefe stürzten!!! Nicht für alles Geld der Welt würde ich das machen – muss ich auch nicht 😉 aber die Fotos sind cool geworden, zumindest die vom Start. Weiter vor hab ich mich dann doch nicht getraut, hatte ich doch gesunden Respekt vor der Tiefe!!

Wir mussten auch nicht lange anstehen, mit der nächsten Bahn ging es dann ruckzuck nach unten!!

Blick aus der Seilbahn – Wahnsinn zu sehen, wo wir hoch sind!!

Beim Hochwandern wunderten wir uns schon darüber, wie schnell die Seilbahn hoch und runter fährt! Unten angekommen ging es noch in den Souvenir-Shop, Postkarten und ein Murmeli gekauft, bis es dann mit dem Bus wieder nach Arabba ging. Frank kochte lecker Gnoccis und Parmesanschnitzel, so dass der Tag einfach nur phantastisch zu Ende ging. Gefühlt war ich etwas high abends, lach, daran ist wohl die Höhenluft Schuld gewesen.

Fazit des Tages: Es stimmt, der Schmerz vergeht, der Ruhm bleibt 🙂

7,65km, 4 Std. 15 min, 1161m hoch, 538m runter, 3152m höchster Punkt 🙂