Die Schlernüberquerung

Die 7. Wanderung sollte ebenfalls zu einem absoluten Highlight werden, auf allen Ebenen!! Regelrecht eine Grenzerfahrung! Auf dem Weg zur Völsegg-Spitze begegneten wir einem älteren Ehepaar, das uns ganz schön davon lief…vorher gaben sie uns noch wertvolle Tipps, und auf der Völsegg-Spitze kamen wir ins Gespräch…sie kommen schon seit Jahrzehnten nach Südtirol, über 40x bisher, wenn ich mich richtig erinnere. Sie erzählten auch von der Schlernüberquerung. Nur, dass sie den Weg auch wieder zurück wandern…und sie erzählten, dass man dort viele Murmeltiere sehen kann, juchuuu! Also steckte ich mein Tele-Objektiv ein in der Hoffnung, welche vor die Linse zu bekommen.

Praktischerweise konnten wir wieder direkt vom Hotel aus starten. Der „offizielle“ Start ist wieder Weißlahnbad. Recht schnell geht es hinauf, durch einen Föhrenwald Richtung Bärenfalle. Es waren recht wenige unterwegs – und wenn, wurden wir überholt, ähem. Das Wetter war herrlich, und so ging es stets in Serpentinen nach oben. Die Blicke zurück faszinierten mich immer wieder – so konnte ich festhalten, wie hoch wir schon sind und natürlich heimlich durchschnaufen 😉

Plötzlich hörten wir von weitem ein Blöken, und tatsächlich, begegneten uns eine handvoll Schafe 🙂 bzw. kreuzte unser Weg den ihren 😉 Später erfuhren wir, dass nur wenige Tage vorher ein Wolf sein Unwesen trieb und einige Schafe übel zurichtete…das Foto in der Zeitung sah echt schlimm aus. Das erklärte, warum der Bock uns bzw. besonders Frank so „böse“ anschaute 😉 die anderen ließen sich kaum stören, standen einfach so auf dem Weg, wie putzig!

Der Weg wurde dann immer steiler, mittlerweile über Steine und Steinstufen, und wieder wurden wir überholt 🙁 Aber ich musste mir meine Kräfte gut einteilen, das war ja nicht die erste Tour (und auch nicht die letzte). Ich hatte auch nicht wirklich eine Vorstellung davon, wie der Weg weitergehen würde…

Und dann waren wir da: In der Bärenfalle!! Ohne es zu merken, ähem. Tage später erzählten Wanderer im Bus von der Bärenfalle und fragten uns, ob wir den Bären gesehen haben!!! Welchen Bären? Hatten wir nicht gesehen. Ich hatte die Fotos noch auf der Kamera und siehe da…eindeutig der Bär auf einem Foto, lach. Aber Frank schaute konzentriert auf die Stufen, ich knipste rum…da haben wir ihn tatsächlich übersehen!!! Aber immerhin fotografisch festgehalten 🙂

Die Holztreppen nach oben waren anstrengend, aber eine willkommene Abwechslung. Und das Wetter…hach, wir hatten echt wieder Glück!!

Nach der Bärenfalle musste ich eine Pause einlegen, auf einer traumhaften Bank mit noch schönerem Blick nach unten. Da musste ich mich einfach kurz hinsetzen 🙂

Oben angekommen wanderten wir nach rechts, links bogen die meisten ab. Ich glaube, da ging es Richtung Sessel Schwaige. Unser Weg wurde jetzt etwas ebener, was mir sehr entgegen kam.

So langsam zogen Wolken auf, was mir wie immer Sorge (und Druck) bereitete. Und ich spürte den langen Aufstieg mittlerweile in den Beinen. Dann führte der Weg durch eine „Schneise“, ein Bächlein trennte uns von der „Murmeltierwiese“. Und tatsächlich nahmen wir Bewegungen wahr, konnten wir bei genauerem Hinschauen welche entdecken 🙂 ABER es wurde plötzlich richtig kalt, ging ein a…kalter Wind durch die Schneise, und ich fror erbärmlich. Das war wohl der berühmte „Nord-Föhn“. In Kombination mit zunehmender Müdigkeit ganz ganz schlecht. Ich war so platt, dass ich es nicht schaffte, mein Teleobjektiv rauszukramen und mich in Ruhe auf die Murmelies zu konzentrieren!!! Das sollte echt was heißen 🙁

Also hieß es wieder einmal Zähne zusammen beißen und weiter gehts, das Ziel, das Schlernhaus, näher kommend. Auch hier machte ich die Erfahrung wie bei der Langalm in Sexten: Man sieht die Hütte, aber bis dahin geht es noch ein paar mal ordentlich rauf und runter…so auch hier. Auf dem letzten Stück lag die eine oder andere Kuh mitten auf dem Weg – herrlich! Die hatten es echt gut hier oben, viel Grün, traumhafte Aussicht, was will Kuh mehr??

Hier noch mal Blicke zurück:

Also kämpfte ich mich Höhenmeter um Höhenmeter nach oben, um dann endlich am leider überfüllten Schlernhaus anzukommen. Egal, wir setzten uns zu anderen Wanderern an den Tisch. Zur Spitze hoch gingen wir nicht mehr, da wir echt Hunger und langsam auch etwas Zeitdruck hatten. Im Schlernhaus war es megawarm, megavoll, und der Pfannkuchen war megagroß, lach, ich schaffe ihn tatsächlich nicht!!

Alsbald brachen wir wieder auf, über den „Touristensteig“ nach unten zur Seiser Alm bzw. nach Kompatsch. Es kamen uns nur noch wenige Wanderer entgegen, da es schon früher Nachmittag war. Zum Glück! So einfach fand ich den Steig auch nicht, ging es steinig steil nach unten, auch recht lange. Mit traumhaften Ausblicken auf die Langkofelgruppe, die Roßzähne und natürlich die Seiser Alm. Die Wolken verdunkelten sich immer mehr, und der Wind war wirklich frisch auf dieser Seite. Und es lagen schon noch ein paar Kilometer und v.a. ein knackiger Abstieg vor uns. Unten angekommen trafen wir auch wieder auf die Familie, zu denen wir uns im Schlernhaus gesetzt hatten. Das ist das schöne beim Wandern, man trifft sehr nette Menschen immer wieder 🙂

Von dieser Seite sieht der Schlern aus, „wie ich ihn kenne“, spricht im Jahr davor von weitem gesehen habe, als wir von der Seiser Alm zurück nach St. Cristina wanderten, ihn nur aus der Ferne sahen. Und da waren sie wieder, Kühe, die gerne auf dem Weg rumstanden 🙂 Frank hatte es irgendwie mit den Tieren an diesem Tag, lach.

Wir gönnten uns noch einen letzten Espresso in der Sattler Schwaige, bevor es weiter zur Bergstation ging. Ich gebe es zu, ich war ganz schön platt…und musste wirklich kämpfen, aber die Ausblicke entlohnten und motivierten mich immer wieder! Auch jetzt beim Schreiben gerate ich ins Schwärmen und sitze mit einem Grinsen auf der Couch 🙂 🙂 Und ich frage mich ernsthaft, wie ich diese Tour geschafft habe…!!

Happy fuhren wir mit der Gondel nach Seis, von dort mit dem Bus zurück nach Tiers/St. Zyprian. Die Busfahrt war auch so ein Erlebnis..sehr enge Straßen, hohes Tempo..da musste ich wieder kämpfen 😉

Und so kamen wir total platt (ich zumindest) dafür sehr sehr happy im Hotel an 🙂

Fazit: 17 km, 1898 kumulierte Höhenmeter hoch, 1148 kumulierte Hm runter in genau 7 Stunden. Mein persönlicher Rekord!!

An diesem Tag spürte ich sehr deutlich meine körperlichen Grenzen, und gleichzeitig, dass es sich auch mal lohnt, darüber hinweg zu gehen bzw. sich selber zu vertrauen!! Jeden Tag bräuchte ich das allerdings nicht 😉 😉