Wanderung auf die Zugspitze: Etappe 3

Die Nacht auf der Knorrhütte war etwas besser als die auf der Reintalangerhütte, auch wenn mich der heftige Regen hin und wieder weckte. Sandra war sehr in Sorge um die Schafe draußen, verständlich, hat sie doch selber welche, ich dagegen machte mir mehr Sorgen um uns!! Es hörte und hörte einfach nicht auf! So schickte ich ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel und glaubte selber nicht wirklich daran.Der Regenponcho würde wohl zum ersten Einsatz kommen…

Bei der Halbpension war Frühstück dabei, Brot mit Butter, Käse, ein Kaffee, ausreichend für uns. Dann war Aufbruchstimmung angesagt, sprich Packen, gut anziehen und los ging es. Und was soll ich sagen: Der Regen hatte aufgehört, juchu!! Und es war sogar der blaue Himmel zu sehen – wieder einmal: Danke lieber Petrus!! Gut gelaunt und aufgeregt startete wir unsere letzte Etappe! Gleich zu Beginn ging es bergauf, und ich muss wieder mal zugeben, dass ich dachte: Puh, ob ich das schaffe?! Wenig Schlaf ist nicht zu unterschätzen, Adrenalin zum Glück aber auch nicht 😉 😉

Wie man sieht gewannen wir schnell an Höhe und ließen die Knorrhütte alsbald hinter uns. Der Weg war dann auch nicht mehr steil sondern sehr schön zu wandern. Ich komme beim Schreiben direkt wieder ins Schwärmen, war es doch wirklich so schön, seufz!!

Natürlich waren mehrere Wanderer unterwegs, die nach uns starteten, dennoch war der Weg überhaupt nicht überlaufen. Plötzlich hörten wir Gesang hinter uns und dachten: Zur Motivation eine super Idee, passt auch sehr gut zur Umgebung (z.B. Heidi 🙂 ). Als die „Gesangstruppe“ zu uns aufschloss stellte sich tatsächlich heraus, dass es eine Musicaltruppe war!!! Zusammengewürfelt aus ganz Deutschland dachten sie sich, sie könnten spontan diese Tour machen! Sie liefen vom Stadion direkt zur Knorrhütte, Respekt! Wir verloren uns wieder, als sie sich ein schönes Plätzchen zum Pause machen suchten. Aber natürlich trafen wir sie oben auf der Zugspitze wieder und auch in der Zahnradbahn 🙂

Seht selbst, warum ich so ins Schwärmen komme:

Eines meiner Lieblingsfotos ist übrigens folgendes:

Warum kann ich eigentlich gar nicht sagen, grübel. Frank ist übrigens nicht drauf, da er unser „Hase“ war, d.h. flott voran wanderte.

Mein Vater und Alex wollten natürlich MITTEN durch den Schnee, lach. Wenn ich mir heute (26.11.) anschaue per Webcam, wie es gerade dort aussieht, Wahnsinn!! Die Skisaison ist eröffnet, ich knipste die Lifte noch ohne Schnee:

Inmitten des Skigebietes liegt die Station „Sonnalpin“ auf 2600m, ein Selbstbedienungsrestaurants mit grandioser Aussicht und guter Verpflegung. Es sah zumindest so aus, saß dort die Musicalgruppe und ließ es sich gut gehen. Von dort geht die Gipfelbahn nach oben. 

Hier erzählte uns ein Wanderer, dass an dieser Stelle im letzten Jahr Schluß für ihn war, da er vor lauter Nebel die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte…uff, das machte mir wieder Bammel, sieht man doch, dass es sich langsam wieder zu zog. Manu (verletzer Fuß) und Sandra (Höhenangst) beschlossen, mit der Bahn hochzufahren. Für mich war klar: Ich wandere das letzte Stück hoch! Aber ich hatte ein dringendes Bedürfnis…also marschierte ich zur Station, welche doch weiter weg war, als ich dachte, drückte den beiden meinen Rucksack in die Hand (mein Vater wollte seinen auf gar keinen Fall abgeben!) und machte mich auf den Weg zurück zu den Jungs. Die unterhielten sich mit drei Männern, die wir später noch mal sehen sollten –  mit einer sehr rührenden Geschichte!!

Übrigens auch sehr interessant die Geschichte des Schneefernerhauses, welches früher ein Hotel war, heute als Umweltforschungsstation genutzt wird:

Man sieht hier zum einen, dass es oben sehr neblig war, zum anderen den Weg nach oben: Ja genau, das „Zick-Zack- Muster“ ist der Weg!! Über Geröll, danach übers Gestein, ein gut gesicherter Klettersteig! Also noch schnell gestärkt, Mut gefasst und dann ging es los. Ich muss wieder etwas gestehen: Ich hatte Sorge um meinen Vater, auch wenn er das nicht gerne liest…er rutschte mehrmals ab, kein Wunder, aber Alex und Frank sicherten ihn gut ab 🙂

Die beiden hier erzählten uns, dass sie aus Norddeutschland kommen, und es dort eher flach ist 😉 Auch sie haben es geschafft, haben uns oben dann stolz wie Bolle abgeklascht 🙂 Man sieht das Geröll, welches wirklich schwer zu erklimmen ist, da hatten fast alle zu kämpfen. Daher konnte ich auf diesem Stück nicht ganz so viele Fotos machen 😉 aber dennoch musste ich festhalten, wie die Aussicht von hier ist:

Alternative zum Wandern:

Ich habe Manu und Sandra leider nicht in einer Gondel gesehen, war ich doch mit kraxeln und fotografieren beschäftigt. Der Klettersteig war wie geschrieben gut gesichert, aber die Höhenluft wurde so langsam spürbar, auch zogen die Wolken immer mehr nach oben.

Und dann einer meiner persönlichen Supergaus: Akku leer – kreeeeeeisch! Zum Glück hatte ich ja zwei Ersatzakkus dabei, die sich allerdings im Rucksack und damit bereits auf der Zugspitze befanden – suuuuper. Aber für diese Fotos reichte es noch!

Oben warteten Sandra und Manu klatschend auf uns, und wir fielen uns in die Arme! Frank und ich bejubelten dann meinen Paps und Alex, welche nach uns eintrafen. Ich ging das letzte Stück voraus, da ich – sorry Paps – Angst um ihn hatte, musste er jetzt wirklich arg schnaufen! Kein Wunder, mit 68Jahren, Respekt!! Wenn ich so eine Tour in dem Alter noch schaffen sollte…das ist mein Ziel!! Manu und ich sprachen gerade darüber, als einer der drei Männer, die wir unten schon trafen, uns erzählte: Sein Vater sei 74 Jahre, und es sei sein Traum gewesen, ein Mal zur Zugspitze hochzuwandern!! So kam sein Bruder extra aus Kanada, damit die beiden Söhne mit ihrem Vater die Tour machen. Ich muss jetzt noch heulen, wenn ich das schreibe, weil ich das soooo toll fand!! Ich ging dann auf ihn zu und gab ihm die Hand, um ihm zu gratulieren, voller Respekt! Er war sehr gerührt über seinen Erfolg, meine er, es sei sein dritter Versuch, und endlich habe es geklappt!! Seuzf, das sind doch ganz wundervolle Erlebnisse! Einer seiner Söhne meinte noch leise zu mir „das war seine letzte Tour“ – jetzt muss ich noch mehr heulen!

Ziel war natürlich das Gipfelkreuz, aber wir mussten uns erst einmal stärken, waren wir zwar mächtig stolz, aber mindestens so mächtig hungrig! So gab es Suppe, Germknödel und Bier 😉 Für mich Johannisbeerschorle 🙂 seither trinke ich diese Schorle und muss immer an die Tour denken!

Was fällt auf bei diesem Foto?? Mein Vater hat nichts zu essen vor sich stehen…! Verdächtig! Er sagte zu mir, ich solle mal mit ihm kommen – mit der Kamera. Hm, okay…und siehe da…das hatte ich beim Vorbeilaufen gar nicht gesehen:

Ich glaube, die hat besonders gut geschmeckt, lach!

Da oben war zu diesem Zeitpunkt ja Großbaustelle

Nach der Stärkung sollte es zum eigentlichen Gipfelkreuz gehen. Den Zugang mussten wir erst suchen, lach, man muss im Gebäude Treppe runter, durchs Restaurant (Panorama Lounge) und dann: Noch mal kraxeln. Ok, ich hatte wieder Bammel und entschied mich, darauf zu verzichten und statt dessen Fotos von der Plattform zu machen. Was nicht so leicht war, kapierten die Leute nicht, aus dem Bild zu gehen, grummel. Die konnte ich beim besten Willen nicht wegretouschieren, lach. Von Frank alleine gibt es ein Foto, bzw. konnte ich mit viel Mühe die anderen „entfernen“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zahnradbahn mussten wir auch suchen bei dem Gewusel, aber 12 Augen sehen ja bekanntlich mehr als 2 😉 Ich wusste nicht, dass diese größtenteils unterirdisch verläuft – krass!

 

 

 

 

 

Endstation ist Garmisch, von hier aus wanderten wir glücklich, regelrecht beseelt zurück zur Ferienwohnung. Setzten uns dort auf den Balkon, legten die Füße hoch – und schon fing es an zu regnen!!! Ist das Glück oder ist das Glück?? Somit blieb der Regenponcho auch an diesem Tag im Rucksack!

Meine Uhr hatte ich nicht sofort gestoppt, sondern noch etwas laufen lassen (inklusive Abstecher zum Restaurant Sonnalpin), so dass sie beim Stop (Station Zahnradbahn) anzeigte: 5,7km, Anstieg 1029m, Abstieg 157m, höchster Punkt 2934m, Dauer 5 Stunden. Der letzte Anstieg von Sonnalpin zur Zugspitze war übrigens über 350 Höhenmeter – auf einen knappen Kilometer!! Da darf man auch ins Schnaufen kommen, lach!!

 

Mein persönliches Fazit: Mit Worten nicht zu beschreiben! Da fallen mir Goethes Worte ein:

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen!