Tour auf den Jenner: Mit der Seilbahn hoch, zu Fuß hinunter

Im August stand eine Woche Berchtesgadener Land mit meiner besten Freundin Claudi und deren Hündin Coco auf dem Urlaubsplan. Petrus hatte dieses Mal ein Einsehen mit mir und schenkte uns vom ersten Tag an gutes Wetter 🙂 Der Jenner stand von Beginn an oben auf der Liste. Es gibt die Möglichkeit, montags und mittwochs dort zu frühstücken. Ich hatte quasi schon den Hörer in der Hand, um Plätze zu reservieren, als ich erfuhr, dass Claudi unter Höhenangst leidet…!! Ok, den imaginären Hörer wieder aufgelegt wollten wir es auf uns zukommen lassen. Am ersten Tag, wir waren in Oberschönau untergebracht, liefen wir zum Königssee (4km) und von dort zur Talstation der Jennerbahn, um uns das Ganze schon mal anzuschauen. Eine Angst-Expo in vivo sozusagen 😉 Zuvor machte ich noch Scherze, dass die Fotos der Gondeln „Fake“ sei, da die Dame in der Gondel mir irgendwie überdimensional groß erschien. Ich wurde eines Besseren belehrt: Die Gondeln sind sehr klein, für 2 Personen…!! Ok, ich hatte ja noch Zeit, Claudi fachmännisch darauf vorzubereiten. Jedoch war ICH es dann, die weiche Knie bekam, als es dann drei Tage später soweit war! Wir passten gerade so rein, Claudi und ich, Coco, unsere Rucksäcke und meine Stöcke, die Kamera um den Hals. Gestartet von der Talstation auf 630m ging es dann nach oben über die Mittelstation auf 1200m bis zur Bergstation auf 1800m.

Es war gar nicht so schlimm wie gedacht, und die Anspannung schlug schnell um in Vorfreude und viele „oh wow“ Momente:

Diese Fotos schoß ich noch aus der Gondel, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus – jetzt schon – und wollten uns den Speichersee unbedingt aus der Nähe anschauen! Wie man sieht, war das Wetter grandios!!

Angekommen atmetet ich erst mal tief durch. Ich fühlte mich dem (blauen) Himmel wirklich seeehr nah. Wir hielten uns gar nicht lange an der Berggaststätte auf sondern begaben uns direkt auf den Weg zum Jennergipfel auf 1874m. Die Aussicht – grandios! Ich konnte mich kaum satt sehen!

Egal ob alt oder jung, alle machten sich auf den Weg nach oben. Mit dabei: Ein sehr nettes Paar, mit welchem ich alsbald ins Gespräch kam, über die Fotografie, Unterschied Handy – Kamera, was man so mit den Fotos (oder alten Filmen) so macht – oder eben nicht. Ich schätzte meinen Sucher an der Kamera wieder umso mehr, als ich das Handy des Paares in der Hand hielt und NICHTS sah. Die Sonne im Rücken war das Display schwarz und ich schoß ins Blaue. Ich seufzte auf, als er mir seine Kamera in die Hand drückte, und ich die beiden durch den Sucher sehen und (hoffentlich gut) platzieren konnte 🙂 🙂 Ich erzählte ihnen von meinem Blog auf die Frage hin, was ich denn mit meinen Fotos so mache. Er bot mir an, auch ein Foto von mir mit meiner Kamera zu machen und wartete geduldig, bis eine ältere Dame sich laaaangsam von mir weg bewegte oder forderte auch schon mal einen Herren auf, doch bitte kurz aus dem Weg zu gehen. Seeeehr nett! Und so gibts auch ein Foto von mir mit dem Königssee im Hintergrund 🙂

Genau solche Begegnungen machen das Wandern für mich zu einem ganz besonderen Erlebnis! Falls Sie dies lesen sollten: Viele liebe Grüße aus dem schönen Baden!

Sehr witzig war auch, dass wir ein oder zwei Tage zuvor an der tollen Kneippanlage eine 4köpfige Familie kennenlernten. Die Kids waren sofort in Coco verliebt, und genau diese Vier trafen wir an diesem Tag auf der Aussichtsplattform wieder 🙂

Der Weg zum Gipfelkreuz grenzte an eine Völkerwanderung, und leider waren die Leute da oben auch nicht wirklich rücksichtsvoll, so dass ich darauf verzichtete, mich ganz nach oben durchzuwurschteln und gab mich mit den gemachten Fotos zufrieden!

 

Ich war etwas unsicher bezüglich des Wetters, hörte ich von einem Wanderer „das Wetter soll noch umschlagen“, von einem anderen „das bleibt den ganzen Tag so schön“. hm, jetzt konnte ich es mir aussuchen. Nach knapp 1,5 Stunden rissen wir uns los und machten uns an den Abstieg zur Mittelstation. Und was soll ich sagen…es war wirklich sehr steil! Und heiß! Respekt vor den Menschen, die nach oben wanderten!

Kurz vor der Mittelstation zweigte der Weg ab zu dem Speichersee – also nix wie hin! Es ging auch hier stetig bergab. Ich höre uns heute noch sagen: „Oha, dann muss es ja wieder bergauf gehen auf der anderen Seite“. Aber dieser Abstecher hat sich definitiv gelohnt! Das fand auch Coco 🙂

Nach einer verdienten Pause und ordentlichem Vesper ging es zur Mittelstation. Das Wetter war nach wie vor schön, ich fühlte mich sehr fit und wohl, und Claudi konnte offensichtlich meine Gedanken lesen….sie fragte mich nämlich, ob ich nicht nach unten wandern möchte…? Ähm, Treffer! Ich hatte richtig Lust, weiterzuwandern, nochmals 600Höhenmeter ging es hinunter. Also im Restaurant Wasser und Apfelsaft gekauft und es ging weiter. Mir kamen ganze zwei Wanderer entgegen, ich war quasi alleine unterwegs, überwiegend im angenehm kühlen Wald – perfekt!!

Zu fotografieren gab es weniger, konnte ich mich so ganz meinem Laufrhythmus hingeben und meinen Gedanken nachhängen…

„Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“ (Søren Kierkegaard, dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller, 1813 – 1855)

…und so kam ich nach nur einer Stunde glücklich und doch platt zugleich an der Talstation an. Und auch hier traf ich auf eine 3köpfige Familie, welche wir am Vortag in der Almbachklamm kennengelernt und uns nett mit ihnen unterhalten haben. Die Welt ist halt doch klein 🙂