Schweizer Alpentour – der Abstieg!

„Wir steigen nicht auf Berge, um Gipfel zu erreichen, sondern heimzukehren in eine Welt, die uns als neue Chance, als ein nochmals geschenktes Leben erscheint.“ (Reinhold Messner)

 

Nach diesem wunderbaren Sonnenaufgang bekam ich alsbald Kaffedurst. Die „Hüttenwartfamilie“ tischte ordentlich Kaffee, Tee, Ovomaltine auf, ich hatte Brot, Marmelade und Nutella eingepackt. Die Butter hatte Nicole im Schlafsaal oben gelagert, und was soll ich sagen, sie war flüssig! Die von Jasmin, im unteren Teil der Hütte verstaut, war fest – also waren unsere Atemnot und meine Hitzewallungen keine Einbildung!

Ich staunte nicht schlecht, als Alex das Frühstück auspackte: Neben Brot, Margarine, Äpfeln gab es auch Müsli und Milch, ich glaube noch vom letzten Italienurlaub. Und und und…ich bin mir sicher, er hat einen Rucksack wir Hermine aus Harry Potter ein Handtäschchen hat, aus dem sie alles Mögliche herausgezaubern konnte. Daneben hatte er für zwei Erwachsene ja auch noch die Wäsche und Zahnbürsten drin. Ich versteh bis heute nicht, wie er das geschafft hat, vielleicht verrät er es mir vor der nächsten Tour 🙂

Nach der Stärkung und (Zauber-)Rucksack packen ging es an den Rückweg. Jasmin, Frank und ich entschieden uns, den längeren Weg zu nehmen, so dass wir insgesamt einen Rundweg gewandert sind. Aufgrund Nicoles´Umstand 🙂 gingen Alex und sie, also die drei, den gleichen Weg vom Vortag zurück.

Für uns hieß es zu Beginn erst wieder nach oben, genauer 300 Höhenmeter. Motiviert ging ich los, aber ich muss zugeben, ich kam schnell ins Schnaufen. Die Anstrenung vom Vortag machte sich langsam bemerkbar. Aber bloß nix anmerken lassen, einfach stehen bleiben und Fotos machen 🙂 🙂

Nach Genießen der unglaublichen Aussicht sahen wir eine weitere Hütte, die nicht weit entfernt lag – so sah es zumindest aus. Der Weg dahin bestand jedoch aus einem Gratstück, welches erst überwunden werden musste.

Der Blick ins Tal von dieser Seite aus: Grandios!

Hier kamen uns bereits der eine oder andere Wanderer entgegen, überwiegend ältere Semester, stark durchgeschwitzt – was ich bis dahin noch nicht soooo ganz nachvollziehen konnte.

Bis zur Hütte gab es noch einen ordentlichen Schreckmoment, als Jasmin vor mir ordentlich abrutschte – der Adrenalinstoß tat mir gut 😉 Und ermahnte mich, nicht wie üblich nach links, rechts, oben und hinten zu schauen und gleichzeitig nach vorne zu laufen – das kann schief gehen. Mich erwischte es wieder, als wir über ein Stück Schneedecke wandern mussten, war ja klar, wieder mal eingesunken (bäh) und am Stein das Schienbein leicht aufgeschürft. Davon hatte ich dann auch noch ein paar Tage eine bunte Erinnerung 😉

An der Hütte angekommen, unbewirtet, könnte eine Militärhütte sein (hab ich gelesen), ging es noch ein Stückchen nach oben und wir rasteten einen Moment – herrlich. Auch hier Wanderer durchgeschwitzt, einer davon mit der Bitte, ein Foto von ihm zu machen. Hat Frank gerne übernommen.

Danach ging es – bergab, 800 Höhenmeter, geschätzt auf maximal 5 Kilometer. Erst mal ordentlich sehr schmale Serpentinen nach unten mit viel Gegenverkehr. Es gibt Wanderer, die machen nicht wirklich Platz, rufen aber immerhin „Achtung Stein“, wenn sie einen losgetreten haben…

Nach den Serpentinen – ging es weiter ordentlich bergab, v.a. über Geröll uuuuuund: Schnee! Aber bei weitem nicht so gefährlich wie bei der berühmten Zusatztour 🙂

Ich sehnte mich nach einem „geraden Stück“, aber es kam und kam keins. Dann wechselte es von Geröll und Brocken ringsherum zu saftig grünen Wiesen, wunderschön. Auch wenn der Weg leider weiter über Stock und Stein ging. Wieder einmal war ich froh und dankbar über die Stöckli 🙂

Ungefähr auf dieser Höhe kam eine Nachricht von Alex, dass sie unten angekommen sind. Wir brauchten noch eine gute Stunde…

Immer mal wieder sahen wir von weit oben das Gasthaus (Piz Calmot), doch es kam und kam nicht näher. Und es wurden immer mehr Wanderer, die uns entgegen kamen. Z.T. im Sonntagsoutfit, mit Strechjeans und Sneakers oder der luftigen Bluse…ob die wohl jemals angekommen sind?? Wir dachten oft an die fünfköpfige Familie, die auch in der Hütte übernachtet hat, die ja genau aus dieser Richtung zur Badushütte kamen. Wir konnten kaum fassen, dass die drei Kids diese Tour gelaufen sind!! Nicole meinte später, sie sei als „Flohtour“ (oder so ähnlich) beschrieben, also geeignet für/mit Kids…ich dankte Alex in Gedanken mehrmals, dass wir diese Strecke nicht hochgewandert sind (warum auch immer, grins). Der Rundweg war so, wie wir ihn gelaufen sind, einfach genau richtig!

Langsam aber sicher näherten wir uns dem Gasthaus, und uns traf fast der Schlag: Am Freitag Abend und Samstag früh gähnende Leere, waren der Parkplatz und die Gaststätten drumherum völlig überlaufen! Quasi wie am Mummelsee, liebevoll Rummelsee genannt. Hier wollten wir uns nicht aufhalten, also nichts wie raus aus den Wanderschuhen und rein ins Auto!

Letztlich sind wir den Weg hinunter gekommen, von dem ich samstags fürchtete, hinauf zu müssen. Glück gehabt! 🙂

Fazit: Ich bin immer noch begeistert und zehre von diesem Wochenende! Dank an Alex für die tolle Organisation und an Nicole, Jasmin und Frank für die prima Gesellschaft, hat viel Spaß gemacht!!

Ich bin stolz, dass ich es so gut geschafft habe, und habe noch mehr Blut geleckt!!

„Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.“ (Johann Wolfgang von Goethe) – jetzt versteh ich, warum mir nicht wie gewohnt zum Reden zumute war 😉

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