Schweizer Alpentour – die Nacht auf der Badushütte

Erstaunlicherweise war ich an dem Abend auf der Badushütte trotz Aufstieg, Zusatztour, viel frischer Luft und gutem Essen nicht wirklich müde. Wir spielten in der Hütte noch Skip-Bo, bis sich die Müdigkeit langsam einstellte – also bei den anderen. Das Bettenlager war wirklich schön eingerichtet, v.a. die steile Holztreppe sollte nachts eine Herausforderung werden. Acht Schlafplätze waren dicht beieinander, bestückt mit richtigen Decken und Kissen, sah also nicht wirklich schlimm aus. Ich hatte bisher keine Vergleiche, also machte ich mir keine Sorgen. Allerdings nahm ich mir vor, die Ohrstöpsel zugleich zu verwenden, da ein gewisser A. neben mir lag (weiter weg hätte wahrscheinlich auch keinen Unterschied gemacht 😉 ). Da das Quellwasser einfach so gut schmeckte, trank ich deutlich mehr als gewöhnlich, machte sich dieses bereits vor dem Einschlafen bemerkbar. Ich seh mich heute noch da liegen, eingeengt in meinen Seidenschlafsack, fast wie in einem Sarg, dicht an dicht zwischen Alex und Frank, die anderen (5köpfige Familie, Kinder des Hüttenwartes) schliefen bereits selig, zwei Menschen erhellten mit ihren e-book readern den Raum. Und ich lag da…und lag da…zählte statt Schäfchen Murmelis…aber es half nichts, ich musste raus, grummel. Also Decke weg, aus dem Schlafsack geschält – was gar nicht so einfach ist, liegt man so dicht beieinander. Es machte auch mal „ratsch“…der Einstieg in meinen Schlafsack ist jetzt etwas länger 😮

Also die gefährliche Holztreppe runter, raus in die Kälte, raus zur Keramik- bzw. Holz-Plastikabteilung, danach wieder die Treppe hoch, mit Taschenlampe natürlich, über Frank gestiegen und…wieder das gleiche Drama. Wobei, es wurde schlimmer, als die Sägerei neben mir losging, Hilfe! Keine Ahnung ob ich geschlafen hatte, ich war auf alle Fälle das zweite Mal wach und fühlte mich überhaupt nicht gut. Zuerst dachte ich „Mist, zu viel gegessen, ins Plumpsklo übergeben kommt nicht so gut“ und machte mich erneut mit Taschenlampe bewaffnet auf den Weg, das Quellwasser ein weiteres Mal wegzubringen. Man war mir übel, und ich hatte das Gefühl, ich steh kurz vor einer Panikattacke, ich möchte da nicht mehr rein…nur war es draußen verdammt kalt. Ich dachte „was mach ich bloß?“, schaute gen Himmel, um mal wieder ein Stoßgebet zu verschicken, als mir klar wurde, was für ein phantastischer Sternenhimmel über mir war. Oh mein Gott, ich habe noch nie sowas wunderschönes gesehen!! Sogar die Milchstraße hab ich gesehen, der große Wagen schien zum Greifen nahe! Sogar jetzt beim Schreiben krieg ich noch Gänsehaut, so ergriffen war ich in diesem Moment!! Mein nächster Gedanke war: „Mist, die Kamera liegt oben, wie könnte ich das bloß festhalten??“ naja, auf jeden Fall nicht ohne Stativ, was ich leider nicht dabei hatte. Also im Gedächtnis speichern, so lange es geht!!

Die Kälte trieb mich dann doch irgendwann in die Hütte zurück, saßen Nicole und Alex zu meinem Erstaunen auf ihren Matratzen. Auf meine Frage, ob alles ok sei, meinte sie sehr blaß, dass sie keine Luft und gleich Panik bekäme. Ich meinte, dass es mir auch so gehe, was uns beide paradoxerweise beruhigte 🙂 Alex öffnete das Fenster, was sich sofort positiv bemerkbar machte. Also wieder rein in den Schlafsack, Decke drüber…Decke weg…Decke drüber…Decke weg…maaaaaan, sowas hatte ich echt noch nicht erlebt. Und ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl, was sich auch nicht gut anfühlte. Die Uhr zierte leider Franks Handgelenk, und der schlummerte selig neben mir. Ich muss dann doch eingeschlafen sein, fatalerweise hatte ich, um mit Nicole sprechen bzw. sie hören zu können, die Ohrstöpsel rausgenommen und nicht wieder reingemacht, so dass die Baumfällarbeiten neben mir mich erneut wach werden ließen.

Ein Blick aus dem Fenster – und ich war schlagartig aufgeregt! Das Licht war so wahnsinnig schön, schimmerte rötlich – Sonnenaufgang. Meine Chance, und wenn ich schon wach war…also das bekannte Prozedere: Decke zurückschlagen, aus dem Schlafsack schälen, Kamera aus dem Rucksack kramen, Jacke schnappen und die Mördertreppe nach unten schlappen. Ich schaute nicht schlecht, als zuerst eine ältere Dame aus der Toilette kam, ich noch dachte, das ist keine von uns, einen Händewaschstopp am Brunnen einlegte und dann freundlich fidel an mir vorbeilief…am Abend zuvor lief am Fenster der Hütte ein Mann mit Isomatte vorbei, schaute rein und grüßte, ich wunderte mich noch. Genau auf diesen lief sie wenige Meter weg zu, der packte gerade Schlafsack etc. zusammen. Wow, wenn die mal nicht gefroren haben letzte Nacht, Respekt!

Ich marschierte an Ihnen vorbei und machte folgende, für mich traumhafte Aufnahmen:

Einfach nur Wow! V.a. wie schnell sich das Licht in wenigen Minuten wieder veränderte. Ich holte mir eine Decke aus der Hütte und setzte mich davor, genoß die Ruhe und die Sonne, bis Frank sich zu mir gesellte 😉

So wurde aus einer meiner schlimmsten Nächte der schönste Sonnenaufgang, den ich bisher erleben durfte. Ich fühlte mich so wohl wie selten, und das sollte den ganzen Tag über so bleiben, auch wenn der Abstieg echt viel härter und länger war, als gedacht, doch dazu mehr im nächsten Bericht 🙂

 

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